Ein kleiner Ort mit einem großen Herzen

In einer Pressekonferenz informierte der Freundeskreis Asyl Riederich über seine Tätigkeit. Seit dem 22. Oktober wurde die Container-Anlage an der Industriestraße bezogen. Mittlerweile sind dort 70 Flüchtlinge untergebracht, in der Mehrzahl aus Syrien sowie aus dem Irak, dem Iran und aus Albanien. Träger der Unterbringung ist das Landratsamt; eine hauptamtliche Sozialarbeiterin ist vor Ort.

Solange ein leer stehendes Fabrikgebäude als Unterkunft ausgebaut wird, bleiben die beiden Wohncontainerblöcke im Hof belegt– die eine Reihe mit Familien und Frauen, die andere Reihe mit Männern. Dass so viele junge Männer unter den Asylbewerbern sind, liegt daran, dass für die kostspielige Flucht oft die ganze Familie ihre Ersparnisse zusammenlegt, um die jungen Männer vor Zwangsrekrutierung zu bewahren und wenigstens ihnen eine Zukunft in Frieden zu ermöglichen.

Der Freundeskreis Asyl Riederich hat momentan 55 Mitglieder, die sich in sechs Gruppen den unterschiedlichen Aspekten der Flüchtlingsbetreuung widmen. In einem Willkommensordner bekam jeder Neuankömmling Informationen zum Ort und allen wichtigen Anlaufstellen. Mit Sachspenden vor allem über eine Sammelaktion der Pfadfinder wurde bei Hausrat oder Kleidung geholfen, und die gespendeten Fahrräder erleichtern den Bewohnern das Einkaufen. Ihr Essen bereiten sie selbst im „Camp“, wie sie die Unterkunft nennen, zu.

Der Bedarf, deutsch zu lernen, ist riesig. Zurzeit funktioniert die Verständigung hauptsächlich über Englisch und ehrenamtliche Arabisch-Übersetzer. So stießen die „unterstützenden Sprachkurse“, die seit Montag im katholischen Gemeindehaus von der Gruppe „Sprache“ angeboten werden, sofort auf großes Interesse. Die vom Landkreis organisierten offiziellen Sprachkurse in der Regie der Volkshochschule haben noch nicht begonnen.

Als wichtiges Bindeglied zwischen Flüchtlingen und Einwohnerschaft hat der Freundeskreis das „Café WIR“ ins Leben gerufen. WIR steht für „Welt in Riederich“. Einer spontanen Einladung zu einem Probelauf des Cafés im evangelischen Gemeindehaus wurde in großer Zahl Folge geleistet. Die Begegnung war für alle bereichernd, und ein Syrer formulierte als Dank an Riederich: „Ein kleiner Ort mit einem großen Herzen“. Die Chance zur Begegnung mit den Flüchtlingen in der geselligen Atmosphäre des „Café WIR“ besteht nun für die Öffentlichkeit alle zwei Wochen donnerstags: Erstmals am 12. November von 18 bis 20 Uhr.