Gemeinsames Barbarafest im „Camp“

Das Barbarafest Anfang Dezember war in Syrien immer ein großes geselliges Fest, berichtete ein Flüchtling. Die Kinder zogen verkleidet durch die Straßen und wurden mit Süßigkeiten beschenkt und die Erwachsenen tafelten gemeinsam. Hannan, eine Bewohnerin der Riedericher Flüchtlingsunterkunft, wollte dieses Fest auch in der Fremde feiern.

Sie lud dazu nicht nur die Camp-Bewohner ein, sondern auch die Mitglieder des Freundeskreises Asyl. Eine traditionelle Süßspeise aus Weizen und Nüssen wurde im langen Container-Flur an festlich geschmückten Tischen serviert. Natürlich standen auch Vasen mit Barbarazweigen auf den Tischen: frisch geschnittene Kirschzweige, die an Weihnachten blühen sollen – ein Brauch, den man auch in Deutschland kennt.
Hannan erzählte die Geschichte der Heiligen Barbara, einer Märtyrerin, die in den christlichen Ostkirchen sehr verehrt wird. Ein syrischer Bewohner übersetzte Hannans Erzählung ins Englische. Er betonte auch, dass in seiner Heimat die Muslime und die Christen dieses Fest Hand in Hand gefeiert hätten – und dies hier in der Fremde nun auch in aller Freundschaft tun würden. Die Stimmung wurde immer gelöster, bald erklang Musik und die Männer fassten sich um die Schultern, um zu tanzen. Auch der eine oder andere Schwabe musste sich im orientalischen Männertanz versuchen. Daneben ging ein glücklicher junger Vater durch die Reihen und spendierte Pralinen auf das Wohl seines kleinen Söhnchens Bilan, das zwei Tage davor im Reutlinger Krankenhaus auf die Welt gekommen war.
FOTO: SULZBERGER