Neue Chancen für syrische Flüchtlinge

Als Herausforderung und Chance stellte sich die Kooperation zwischen LPW und dem Freundeskreis Asyl in Riederich dar. Bevor zwei junge syrische Flüchtlinge als Auszubildende an LPW vermittelt und eingestellt werden konnten, galt es zunächst, gemeinsam einige Hürden zu überwinden.

Es begann mit einer Ferienjob-Anzeige im Sommer 2017. Auf diese meldete sich der Freundeskreis Asyl in Riederich und fragte, ob sich LPW vorstellen könne, zwei Flüchtlinge zu nehmen. Inzwischen beschäftigt das Unternehmen vier junge syrische Männer mit Vollzeit-Arbeitsverträgen. Zwei von ihnen sollen im Herbst ihre Berufsausbildung beginnen. „Es ist eine Herausforderung und Chance für beide Seiten“, sagt Gerhard Koblenzer, Geschäftsführer der LPW Reinigungssysteme GmbH. Mit der Unterstützung der ehrenamtlichen Asylhelfer wurde der Versuch zum Vorzeige-Projekt.
„Ohne die Begleitung von Gisela Bach und Rolf Sulzberger vom Freundeskreis Asyl hätte das alles nicht so reibungslos funktioniert“, so Koblenzer. „Allein der ganze Ämtermarathon ist für uns als mittelständisches Unternehmen im Arbeitsalltag nicht zu bewältigen.“ Zwar erhalten Flüchtlinge nach sechs Monaten in Deutschland mit Genehmigung des Ausländeramtes eine Arbeitserlaubnis. Doch damit ist es nicht getan. In Folge müssen die Angelegenheiten mit der Ausländerbehörde, dem Jobcenter und dem Landratsamt geklärt werden. Des Weiteren sind Anfragen zwecks Steuer-ID und Sozialversicherungsausweis an die betreffenden Stellen zu richten.

Voraussetzungen für die Berufsausbildung

„Mit dem Flüchtlingsstatus, der drei Jahre gilt, ist das Arbeiten dann zwar erlaubt. Doch um beruflich eine Perspektive zu haben, müssen auch diverse Sprachkurse absolviert werden“, erklärt Sulzberger. Die Kurse A1, A2 und B1 gehören noch zur offiziellen Sprachförderung. B2, der Voraussetzung für eine Berufsausbildung ist, wird nur genehmigt, wenn begründete Aussicht auf eine Ausbildung besteht. Sulzberger: „LPW hat von Anfang an jegliche Unterstützung zugesagt. Auch in punkto Integration, ordentliche Beschäftigung und Option auf Berufsausbildung. Und genau das ist unser Ziel. Die Flüchtlinge in Arbeit zu bringen, damit sie nicht mehr von staatlichen Leistungen abhängig sind und ein selbstständiges Leben führen können.“ Bis dahin werden alle Leistungen vom Jobcenter mit dem Gehalt verrechnet. Bei zum Beispiel einem Minijob mit 450 Euro bleiben da gerade mal knapp 170 Euro übrig.
„Das ist uns aber egal“, sagt Amin Hassan. Der 27-jährige Syrer hat vor knapp einem Jahr mit seinem Landsmann Mohammad Saimoua (28) bei LPW angefangen. „Die Arbeit hier ist meine Leidenschaft. Genauso einen Job habe ich mir schon immer gewünscht“, schwärmt er. Nach erfolgreichem Abschluss seines B2-Kurses wird er bei dem Riedericher Reinigungsspezialisten seine Lehre zum Mechaniker beginnen. Kollege Mohammad strebt eine Ausbildung zum Elektroniker an.

Langfristige Perspektiven für Flüchtlinge

Und was ist, wenn der Flüchtlingsstatus nach drei Jahren endet, Abschiebung droht oder die Mitarbeiter in ihre Heimatländer zurückkehren wollen? Koblenzer: „Mit dem Risiko leben wir alle. Doch uns als Unternehmen hält das nicht davon ab, Arbeit und Ausbildung anzubieten. Außerdem sehe ich da noch Entwicklungspotenzial beim Thema Einwanderungsgesetz. Wer arbeitet, sollte bleiben dürfen. Und bei einem bestehenden sowie stetig steigenden Fachkräftemangel in Deutschland, gerade hier im Süden, wird jede gute Hand gebraucht.“ LPW beschäftigt eine Vielzahl von Mitarbeitern mit Migrationshintergrund, unter anderem aus Ungarn, Rumänien, Kasachstan, Kroatien oder Spanien. „Diese gute Erfahrung war die Basis, Flüchtlinge einzustellen. Welche Perspektive es für dieses Thema menschlich sowie wirtschaftlich gibt, liegt am politischen Willen.“

Impressionen


(c) LPW Reinigungssysteme
LPW-Chef Gerhard Koblenzer (2. v. l.) mit seinen syrischen Mitarbeitern und den ehrenamtlichen Helfern vom Freundeskreis Asyl in Riederich.


(c) LPW Reinigungssysteme
Mohammad Saimoua aus dem syrischen Hamma ist seit 2015 in Deutschland. Er hat die Flüchtlingsunterkunft inzwischen verlassen und lebt in einer WG. Nach seinem B2-Sprachkurs möchte er bei LPW die Ausbildung zum Elektroniker absolvieren.


(c) LPW Reinigungssysteme
Amin Hassan floh vor drei Jahren aus Syrien nach Deutschland. Inzwischen ist auch seine Frau hier. Er lebt mit ihr und dem 2-jährigen Sohn in Riederich. Im Herbst beginnt der 27-Jährige bei LPW seine Ausbildung zum Mechaniker.

Mehr Informationen unter www.lpw-reinigungssysteme.de

Quelle: LPW Reinigungssysteme / www.lpw-reinigungssysteme.de