Drei Jahre Freundeskreis Asyl

Viele Flüchtlinge in Lohn und Brot

Ende Oktober 2015 trafen die ersten 30 Flüchtlinge aus dem Syrienkrieg in Riederich ein, unter ihnen große Familien, aber auch viele Einzelreisende. In der Industriestraße kamen sie in Containern unter. Ende 2015 waren es bereits 80 Asylsuchende. Von Anfang an fanden sie Unterstützung durch den Freundeskreis Asyl Riederich, dem damals 60 Leute angehörten. Und heute, wie sieht es drei Jahre später aus? Was ist aus den wilden jugendlichen Radlern geworden, die auf den gespendeten Fahrrädern durch die Straßen kurvten, was mit den Frauen, die ohne ein Wort deutsch Palmöl und arabische Gewürze zu kaufen suchten, und was macht Bilan, der erste Neugeborene vom „Camp“?

Nun, Bilan kommt im Januar in den Kindergarten. Fünf Kinder aus Flüchtlingsfamilien haben den Kindergarten in der Bismarckstraße schon hinter sich gelassen und gehen in die Schule. Die Erzieherin Steffi Glass hat sie als „Bezugskinder“ betreut und den Kontakt zu den Eltern gehalten. Ein kleines Mädchen habe nur bei ihr einschlafen können, erzählt sie, und wenn sie nicht dagewesen sei, habe ein Schal von ihr der Kleinen Geborgenheit gegeben.

Die größeren Kinder besuchen alle die Regelschule. Doris Hagemann vom Freundeskreis lobt das Konzept von Regelschule und begleitendem Deutschunterricht. Und die enge Verzahnung von Schule und Kindergarten im „Bildungshaus“ hält sie für eine ideale Vorbereitung. Der Erfolg lässt nicht auf sich warten: Deutsch lernen die Kinder schnell – auch schwäbisch. „I komm um sechse“, ruft Aruba, die als Sechsjährige schon nach einem Vierteljahr ein deutsches Frühlingslied fehlerfrei gesungen hat.

Deutschkenntnisse erleichtern das Leben hier in der Fremde natürlich. Anerkannte Flüchtlingen erhalten von Staats wegen Sprachunterricht. „B1“ ist bei Erwachsenen mittlerweile Standard; für eine Lehre wird die „B2“-Prüfung verlangt und „C1“-Niveau hat Majd geschafft, der jetzt Biomedizinische Wissenschaften in Reutlingen studiert. Die vom Freundeskreis angebotenen Sprachkurse der ersten Monate braucht es nicht mehr. Regina Sulzberger erinnert sich, wie sie im katholischen Gemeindehaus rund 60 Lernwillige vor sich hatte, die dann in Kleingruppen aufgeteilt wurden. Heute gibt es nur noch Einzelunterricht, oft vor Prüfungen.

Nur noch ganz wenige von den ersten Bewohnern leben im „Camp“, dem einstigen Firmenbau in der Industriestraße, der die Container 2016 abgelöst hat. Die Gemeinde Riederich hat vielen zu Wohnungen verholfen, andere haben privat etwas gefunden, etliche auch auswärts. Für alle in Riederich lebenden Flüchtlinge ist weiterhin Helga Trittel, die Sozialarbeiterin im Camp, als Integrationsmanagerin der Gemeinde zuständig. Ihre Hilfe wird auch rege in Anspruch genommen, vor allem für alles Behördliche. Im „Camp leben derzeit nur noch 31 Bewohner – Pakistani, Syrer, Irakis, ein Türke, ein Ghanaer und zwei alleinstehende Mütter mit Babys aus Togo. Schlagzeilen wie über die üble Schlägerei mit Verletzten im vergangenen Sommer, als wegen eines nichtigen Anlasses zwei Gruppen aufeinander einprügelten, gab es zum Glück nur ein einziges Mal.

Die syrischen Kriegsflüchtlinge haben fast alle einen positiven „Bescheid“ bekommen, gewöhnlich für drei Jahre Bleiberecht. „Nun werden wir uns bald mit den Verlängerungen beschäftigen müssen“, meint Rolf Sulzberger, der Sprecher des Freundeskreises Asyl. Er kann zufrieden sein, was von seinen Schützlingen auf dem Weg ins Erwerbsleben erreicht wurde in den drei Jahren. Ferienjob, Probezeit, Arbeitsvertrag sei oft die Reihenfolge in die Vollbeschäftigung gewesen. Etwa 25 Flüchtlinge seien so in Lohn und Brot gekommen. „Und alle, die in Vollzeit arbeiten, erhalten gar nichts mehr vom Staat“, betont Sulzberger.

Firmen wie Flamm, LPW, Defkon, Rometsch, Boss, Bempflinger Lebensmittel, Di`s Schnittstelle, Siemens, Hotel Schwanen und zwei Landschaftsgärtner haben die Leute eingestellt. Drei junge Flüchtlinge erhielten Lehrstellen, ein weiterer wird in einem Jahr eine Ausbildung beginnen. Aus der rasanten Radlertruppe haben viele Jobs und bemühen sich jetzt um einen Führerschein. Heimweh, das zeigt sich indessen nach wie vor, haben sie trotz des neuen Lebens immer noch.

Der Freundeskreis Asyl ist mittlerweile ziemlich geschrumpft. Vielleicht zwanzig Mitglieder sind noch tätig – in der Verfahrenshilfe, in der Gruppe „Rad und Tat“, in der Sprachgruppe, in der Alltagshilfe, in der Organisation und im Café WIR, das alle zwei Wochen donnerstags im evangelischen Gemeindehaus Ausländer und Einheimische versammelt und gerne neue Gäste begrüßen würde.

FOTO: M. Cantre

 

Freude in der Box

Die Boni Kids (Katholische Kirchengemeinde St. Bonifatius Metzingen) möchten gerne andere Kinder beschenken, denen es nicht so gut geht. Deswegen dürfen alle Kinder der Tafelladenkunden und somit auch alle Kinder der Asylbewerber am Freitag den 18.12.2015 von 16.00-17.30 Uhr ein kleines Geschenk abholen. Hierfür werden verpackte Schuhkartons gesammelt,  die mit einem oder mehreren Geschenken für ein Kind im Alter nach Wahl gefüllt sind. Freude in der Box weiterlesen

Ein kleiner Ort mit einem großen Herzen

In einer Pressekonferenz informierte der Freundeskreis Asyl Riederich über seine Tätigkeit. Seit dem 22. Oktober wurde die Container-Anlage an der Industriestraße bezogen. Mittlerweile sind dort 70 Flüchtlinge untergebracht, in der Mehrzahl aus Syrien sowie aus dem Irak, dem Iran und aus Albanien. Träger der Unterbringung ist das Landratsamt; eine hauptamtliche Sozialarbeiterin ist vor Ort.

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